Spuren einer Entwicklung

Informationen diesem Rechner zu finden ist schwierig. Der Rechner wurde offenbar nur in Prototypen gefertigt.

Mittlerweile hat sich aus persönlichen Kontakten zu ehemaligen Mitarbeitern des VEB Robotron folgendes Bild ergeben:

Die Idee zu diesem Rechner kam schon in den 70er Jahren einem Dr. A. Spitzner in Berlin. Er ist als Erfinder in den angemeldeten Patenten genannt und arbeitete im VEB Applikationszentrum Elektronik Berlin. Die ersten Patente wurden 1977 beantragt, Anmeldungen erfolgten in der DDR, der BRD, in einigen weiteren Ländern Westeuropas, den USA und Japan, sowie der Sowjet-Union.

Erste Prototypen wurden im VEB Applikationszentrum Elektronik Berlin gebaut, einer dieser Prototypen ist auf den vorigen Seiten dokumentiert. Das Applikationszentrum war im VEB Kombinat Mikroelektronik u.a. dafür verantwortlich, Lösungen für die Anwendung der in der DDR hergestellten Schaltkreise zu entwickeln. Eine Serienproduktion war dort offenbar nicht möglich.

Ca. 1983 wandte sich der Entwickler mit dem Rechner an die Kombinatsleitung von Robotron Dresden, die in der DDR maßgeblich in der Computerentwicklung tätig waren. Ein Problem stand der Weiterentwicklung und Fertigung entgegen: Es waren keine Forderungen von Anwendern nach einem solchen Rechner bekannt. Der Erfinder selbst konnte auch keine konkreteren Angaben machen über mögliche Absatzchancen und -zahlen. Ein Suchen nach Absatzgebieten (Marktforschung) wurde damals auch nicht betrieben, ein typisches Merkmal der Planwirtschaft.

Das technische Konzept des Rechners war einfach. Er bestand aus einem Minimalsystem auf der Basis des U880 (Vergleichstyp: Z80) und nutzte damit hervorragend die Möglichkeiten, die damals die Bauelementesituation in der DDR bot. Es war eine anwendungsbezogene Mininalkonfiguration, ohne Lüfter, auf kleinstem Raum. Zu dieser Zeit war man bei Robotron hauptsächlich noch mit Großrechnern beschäftigt, die ersten Home-Computer wurden gerade entwickelt. Für einen Spezialrechner für wissenschaftliche Berechnungen gab es keinen Bedarf. Er war im Plan nicht vorgesehen.

1984 wurde der Rechner auf der Leipziger Frühjahrsmesse als qpc-2 international vorgestellt und fand so auch seinen Weg in den Bericht der Zeitschrift ''Computerwoche''.

Letztendlich erschien Robotron die Sache doch zu riskant und eine Weiterentwicklung wurde abgelehnt. Auf der einen Seite war es ein innovatives, neuartiges und patentierbares Erzeugnis, auf der anderen Seite war allerdings der Aufwand für einen Neuentwurf mit der Zielstellung Serienfertigung im Großunternehmen Robotron beachtlich hoch und letztlich der Absatz nicht gesichert.

Aus heutiger Sicht ist diese Entscheidung zu bedauern. Eine konsequente Weiterentwicklung des Konzepts hätte zu einem programmierbaren Tischrechner (oder auch Taschenrechner nach Verfügbarkeit der Technologie) geführt, der auch westlichen Rechnern durch den natürlichen Umgang mit Einheiten Konkurrenz hätte machen können. So ist diese Geschichte nur ein Beispiel für Entwicklungen, die zur falschen Zeit (und am falschen Ort?) erfolgten und sich trotz einer brillanten Idee nicht durchsetzen konnten.

Sie haben Fehler gefunden, oder können diese Geschichte ergänzen? Schreiben Sie bitte an Thomas Falk.