Kooperation im RGW

Die Kooperation der RGW-Staaten bei der Entwicklung von Rechentechnik wurde im wesentlichen in zwei Projekten koordiniert:

ESER:
Einheitliches System der elektronischen Rechentechnik - Großrechner, Mainframes
SKR:
System der Kleinrechner - Prozess- und Arbeitsplatzechner
Das Ziel beider Projekte war, einheitliche Rechner und Schnittstellen zu schaffen, um eine unproblematische Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Dabei herrschte eine gewisse Konkurenz bei den Projekten: So war ursprünglich geplant, die Entwicklung von Großrechnern ganz der Sowjetunion zu überlassen und in der DDR zu beenden.

Die Kompatibilität wurde nicht nur mit den eigenen Systemen angestrebt: Auch die Verträglichkeit zu Rechnern des westlichen Auslands, insbesondere der USA wurde gefordert. Auf diesem Wege konnten die wenigen westlichen Rechner, die im RGW trotz des Embargos erworben werden konnten mit den eigenen Entwicklungen zusammenarbeiten.

Besonders bei den Kleinrechnern lief die Entwicklung auch häufig auseinander. Der Betriebsdirektor des VEB Robotron Zentrum für Forschung und Technik und zugleich Chefkonstrukteur im ESER, Merkel, äußerte sich hierzu wie folgt (Quelle: Zeitschrift "COMPUTERWOCHE" Nr. 15 vom 12.04.1979):

...bei Kleinrechnern ist auch die Möglichkeit eines jeden Landes zu eigenen Lösungen reichhaltiger als bei EDVA. Wir selbst spüren dies in der DDR im Bemühen einiger Zweige außerhalb der rechentechnischen Industrie, Spezialrechner selbst zu entwickeln und zu produzieren. Uns scheinen das nicht notwendige, volkswirtschaftlich nicht vertretbare Versuche zu sein. Wir alle haben eigentlich dasselbe Spektrum an Bauelementen zur Verfügung, und bei allen hängt der Gerätepreis von der Technologie und Stückzahl ab. Die national skizzierten Tendenzen sind natürlich international weit stärker vertreten und haben dort zum Teil auch ihre Berechtigung, so daß wir bei dem System der Kleinrechner nicht mit einer so straffen Systemkonzeption und Spezialisierung rechnen sollten.

Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die Einsicht, daß das "Nachforschen" der Ergebnisse insbesondere der westlichen Firmen auf Dauer zu einem nicht zu überwindenden Rückstand in der technsichen Entwicklung führt.